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Blastozystenkultur - empfehlenswert??

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Bei einer IVF- oder ICSI-Behandlung erfolgt der Embryonentransfer üblicherweise zwei bis drei Tage nach Follikelpunktion und Eizellentnahme. Die Embryonen befinden sich zu diesem Zeitpunkt idealerweise im 4- bzw. 8-Zellstadium. Bei einer verlängerten Kultivierungsdauer erreichen die Embryonen am Tag 5 nach Eizellentnahme das  sogenannte Blastozytenstadium. Blastozysten besitzen ein hohes Einnistungspotential und bieten eine günstige Schwangerschaftsprognose. Leider erreichen unter Laborbedingungen von 10 Embryonen nur 2 bis 5 Embryonen dieses gewünschte Entwicklungsstadium. 

In Deutschland verbietet das Gesetz zum Schutze von Embryonen (EschG, 1990) die Auswahl entwicklungsfähiger Embryonen. Daher ist die sog. 'Blastozystenkultur ' in Deutschland wenig  sinnvoll. Darüber hinaus scheint die Blastozystenkultur bisher noch unbekannte  Risiken für die Gesundheit des noch ungeborenen Kindes zu bergen. Dies macht den Einsatz dieser Methode mehr als fraglich. Studien zeigen eine ungewöhnliche Häufung von Fehlbildungen bei geborenen Kindern nach verlängerter in vitro-Kultur. Diese Fehlbildungen werden auf veränderte Genaktivitäten zurückgeführt, die durch eine verlängerte Kultivierungsdauer hervorgerufen werden sollen (sog.'Genomic Imprinting'-Phänomene). Diese Veränderungen lassen sich bei der Kultivierung lichtmikroskopisch im Labor nicht feststellen. Typisches Krankheitsbilde für Genomic Imprinting-Phänome ist  das 'Prader Willi-Syndrom' oder das 'Angermann-Syndrom'.

Das Phänomen des Genomic Imprinting mit seinen Folgen ist seit Jahrzehnten aus der Veterinärmedizin bekannt. Zur künstlichen Zeugung von Nutztieren ist eine verlängerte Kultivierung von bis zu 14 Tagen durchaus üblich. Hierbei sind  vermehrt embryonale Tumore  und Fehlbildungen zu beobachten. Verursacht werden diese durch falsche DNA-Methylierungsmuster, die direkt in die Steuerung von Genaktivitäten eingreifen und u.a. zu X-Chromosomen-Inaktivierungen, chromosomale Fehlverteilungen und  Änderungen  in den Chromosomenzahlen und -strukturen führen können.


 

Unser Kommentar:
 
Der vielfach propagierte selektive Blastozystentransfer ist kein Heilmittel gegen ungewollte Kinderlosigkeit. Neben dem Nutzen sind auch die möglichen Gefahren genau abzuwägen und, die Paare sind darüber intensivst aufzuklären. In Deutschland ist die Selektion von Embryonen verboten. Daher macht die Langzeitkultivierung keinen Sinn.   
 


Alternative:

Die Untersuchung von Eizellen durch die sogenannte  Polkörperdiagnostik  bietet einen alternativen Weg, um Schwangerschaftraten und Schwangerschaftsverlauf  positiv  beeinflussen zu können (s. Kapitel 'Polkörperdiagnostik). 
  

 

 

 




 
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